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Chronik

Als Grundschule existiert die Schule in  Bilstein seit 1969.

Bis zu diesem Zeitpunkt bestand  sowohl in Kirchveischede als auch in Bilstein eine Volksschule für die Klassen 1 bis 8. Im Zuge der Schulreform wurden die Volksschulen aufgelöst. Dieser Reform fiel auch die Kirchveischeder Schule zum Opfer. Die Grundschüler besuchten fortan die Grundschule in Bilstein.

 

 

 

Schulleiter und Lehrer an der Bilsteiner Schule

Eine Schule gibt es in Bilstein seit vermutlich 1653, gestiftet vom Burgverwalter, Rentmeister und Bürgermeister Johannes von der Hardt.

Am 17. März 1653 bestätigte Kurfürst Maximilian Heinrich die ab-Hardt’sche Stiftung. Damit wurde sie rechtswirksam. Man darf also annehmen, dass etwa im Mai des gleichen Jahres der Unterricht begonnen hat. In welcher Art er erteilt wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Da jedoch nach dem Willen des Stifters der jeweilige Lehrer zumindest die rhetorica (Ausbildung im Sprechen) durchgemacht haben sollte, ist es wahrscheinlich, dass das Unterrichtsziel weiter gesteckt war, als es die Schulregeln aus dem Jahre 1652 vermuten lassen.

 

Über die ersten Bilsteiner Lehrer ist nur wenig bekannt. Die Schulchronik nennt

1653—1686 Christoph Richardi,

dann “ludimagister” 0hm 
Er wurde durch kurfürstliche Verordnung vom Jahre 1739 seines Amtes enthoben, weil er, entgegen den Bestimmungen des ab-Hardt‘schen Testamentes, einen Bier- und Branntweinausschank unterhielt und die Schule sehr vernachlässigte.

Der jeweilige Vikar wurde von nun an Schulmeister, doch konnte er sich einen Substituten (Stellvertreter, Hilfslehrer) halten.

Die Schulchronik führt als Schulvikare auf:

1792—1797 Christian Multer

1797—1804 Josef Bröcher

1804—1818 Franz Hund

1819—1821 Theodor Becker

1821—1826 Franz Caspar Bieker

1826—1827 Peter Flusche

1829—1861 Kaspar Metten

 

Schulvikar Hundt scheint in den Jahren 1812—1813 den Lehrer Schneider als Substituten (Hilfslehrer) gehalten zu haben. Im Jahre 1814 unterrichtete er aber wieder selbst. Von den Schulvikaren Becker und Bieker ist nicht bekannt, ob sie selbst unterrichtet oder einen Vertreter gehalten haben. Vikar Flusche hat den Unterricht wieder selbst wahrgenommen. Er starb  am 5. September 1827, kaum 25 Jahre alt. Auf Antrag des Pfarrers und des Schulvorstandes genehmigte die Regierung am 17. Dezember 1827, dass der Bruder Vikar Flusches, Stephan Flusche, bis auf weiteres administrieren (als Lehrer dienen) dürfe.

Am 21. November 1829 übertrug die Regierung dem Schulamtskandidaten Jodokus Drüecke aus Kirchveischede die Verwaltung der Schulstelle zu Bilstein als Substitut des (gleich)zeitigen Schulvikars Metten.

Über die weiteren Substituten Vikar Mettens ist nichts bekannt. Am 3. Dezember 1857 empfiehlt die Regierung dem Vikar die Annahme des mit der Note 2 aus dem Seminar entlassenen Adam Stettner als Substituten. Zu Stettners Zeit wurde die Vikarie von der Schule getrennt. Der Trennungsvertrag datiert vom 10. Dezember 1861. Lehrer Stettner hat nicht viel Freude in Bilstein gehabt. Der lange Streit um die Fabrikarbeit der Schulkinder und die damit verbundene Leistungsminderung seiner Schule, die er nicht verhindern konnte, ließen ihn im Jahre 1868 resignieren. Er wanderte im gleichen Jahre nach Amerika aus.

Ihm folgte August Blaufuß aus Oedingen. Er übernahm am 2. November 1868 die Lehrerstelle und wurde am 5. April 1872 endgültig angestellt. Während seiner Dienstzeit wurde 1888 eine neue Schule gebaut. Als Bauplatz wählte man den Vikariegarten links neben der Vikarie. (Dieses Gebäude am Standort der heutigen Feuerwehr existiert nicht mehr.) Am 1. Oktober 1909 schied August Blaufuß aus dem Schuldienst.

Am 1. Oktober 1909 übernahm Lehrer Wilhelm Blaufuß die Stelle seines Vaters. Im Jahre 1912 wurde die Schule dreiklassig, Lehrer Wilhelm Blaufuß wurde Hauptlehrer und blieb es bis zur Aufhebung der Hauptlehrerstelle am 27. November 1931.

Mit dem Dienstantritt der Lehrerin Maria Dingerkus am 16. April 1912 wurde eine dreiklassige Mädchenmittelschule mit der Volksschule verbunden, die zur Aufnahme in die 4. Klasse einer zehnklassigen Höheren Töchterschule vorbereiten sollte. Wegen Mangels an Schülerinnen ging die Mädchenmittelschu]e im Jahre 1928 wieder ein. Frl. Dingerkus schied zum 1. April 1920 aus dem Schuldienst aus, um zu heiraten.

Die Schulamtsbewerber Peter Solbach und van Edig vertraten Lehrer Blaufuß in der Zeit vom Frühjahr 1922 bis zum Januar 1923.

Zu Ostern des Jahres 1912 wurde die 3. Stelle als Lehrerstelle eingerichtet. Die Verwaltung wurde dem Lehrer Adolf Gummersbach aus Olpe übertragen. Dieser meldete sich bei Ausbruch des 1. Weltkrieges freiwillig zum Heeresdienst und wurde während dieser Zeit durch die Lehrerin Maria Limper vertreten. Im Jahre 1919 nahm  Gummersbach seine Tätigkeit wieder auf. Er ließ sich am 1. April 1920  versetzen.

Seine Stelle übernahm Lehrer Anton Luckey. Als die 2. Lehrerstelle infolge Sparmaßnahmen der Regierung am 15. Oktober 1931 aufgehoben wurde, versetzte man Lehrer Luckey nach Kirchveischede. Dafür erkannte man der Schule einen Hilfslehrer zu.

Schulamtsbewerber Wieprecht, bisher in einer planmäßigen Stelle in Kirchveischede, kam als erster Hilfslehrer nach Bilstein.

Sein Nachfolger wurde Hilfslehrer Mönnig.  Er wurde 1. April 1932 der hiesigen Schule als Hilfslehrer überwiesen. Schon am 1. Oktober 1932 musste er wieder wandern. Ihm folgte als Letzter aus der großen Schar der jahrelang zur beruflichen Untätigkeit verdammten Junglehrer der Hilfslehrer Josef Bause aus Rüthen.

In seine Stelle rückte die Hilfslehrerin Johanna Schmitz aus Letmathe.  Frl. Schmitz blieb nur ein halbes Jahr in Bilstein.

Hilfslehrer Karl Heile löste sie am 1. Mai 1933 ab.

Sein Nachfolger wurde Hilfslehrer Heinrich Grautstück aus Bochum.

Zu Beginn des Schuljahres 1938/39 trat Lehrer Blaufuß aus Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand, nahm die Lehrtätigkeit aber auf Veranlassung Schulrat Schiffners am 15. Dezember 1939 noch einmal wieder auf, weil der Lehrermangel infolge des zweiten Weltkrieges bedenkliche Formen angenommen hatte. Am 1. März 1945 schied er dann endgültig aus dem Dienst.

Mit Beginn des Schuljahres 1938/39 wurde der Schulamtsbewerber Bernhard Dechêne auftragsweise in die Lehrerstelle eingewiesen.

Schon am 1. August 1938 wurde er von dem Schulamtsbewerber Fritz Ising abgelöst. Nach kurzer Vertretung des zum Heeresdienst eingezogenen Lehrers zu Kirchveischede wurde Lehrer Ising im Mai 1940 selbst zu den Waffen gerufen. Im Dezember 1945 nahm er den Dienst in Bilstein wieder auf.

1938 ging auch die Hauptlehrerstelle ein, die Schule war wieder zweiklassig. Erst seit 1947 besteht wieder eine dreiklassige Schule mit Hauptlehrer-, Lehrer- und Lehrerinnenstelle.

Am 1. August 1942 übernahm Lehrerin Maria Sauerland die Stelle Frl. Ventes.

Mit Wirkung vom 1. November 1945 wurde der Lehrerin Sophie Müller aus Dortmund-Hombruch die Verwaltung der Lehrerinnenstelle übertragen.

Am 3. Dezember 1946 wurde die 3. Planstelle, die am 1. April 1938 eingezogen worden war, wieder neu errichtet. Sie wurde dem Schulamtsbewerber Bernhard Lux übertragen. Auf Grund einer Verfügung der Regierung zu Arnsberg wurde Bewerber Lux 1947 nach Drolshagen versetzt.

An seine Stelle trat Schulamtsbewerber Hans Röttger Schmelzer. Er wurde am 2. Mai 1947 mit der Verwaltung der 2. Lehrerstelle in Bilstein beauftragt. Im Mai 1948 wurde er nach Oberhundem versetzt.

Mit Wirkung vom 1. Mai 1948 wurde seine Stelle dem Lehrer Franz Koch aus Hamm übertragen.

Seit dem 1. November 1950 verwaltete der Lehrer Meinolf Thöne die 2. Lehrerstelle.

 

 

 

Lehrer an der Bilsteiner Schule ab 1950

1950: Fritz Ising (Schulleiter), Sophie Müller,  Meinolf Thöne

1954: Fritz Ising (Schulleiter), Sophie Müller,  Meinolf Thöne, Johannes Dzierzon

1956: Fritz Ising (Schulleiter), Irmgard Schneider,  Johannes Dzierzon

1958: Fritz Ising (Schulleiter), Irmgard Schneider,  Robert Bieker

1961: Fritz Ising (Schulleiter), Marieluise Fichten, Robert Bieker

1962: Fritz Ising (Schulleiter), Marieluise Fichten, Robert Bieker, Marieluise Gastreich

1965:Fritz Ising (Schulleiter), Regina Stüttgen, Robert  Bieker

1966: Fritz Ising (Schulleiter), Regina Stüttgen,  Hans Gogolin

1969: Fritz Ising  (Schulleiter), Frau Nüschen,  Gertrud Roeske (Schnütgen)

1970: Fritz Ising  (Schulleiter), Karl Hose, Ingrid Schneider, Gertrud Roeske (Schnütgen)

1974: Karl Hose (Schulleiter), Herr Busse, Ingrid Schneider, Gertrud Roeske (Schnütgen), Brigitte Tilkes (Neuhaus)

1976: Karl Hose (Schulleiter), Ingrid Schneider, Anne Wolf, Brigitte Tilkes (Neuhaus)

1977: Karl Hose (Schulleiter), Ingrid Schneider, Gertrud Schnütgen, Brigitte Neuhaus, Helga Hufnagel

1978: Karl Hose (Schulleiter), Ingrid Schneider, Gertrud Schnütgen, Brigitte Neuhaus, Frau Stelling

1979:  Karl Hose (Schulleiter),  Ingrid Schneider, Gertrud Schnütgen, Brigitte Neuhaus, Renate Franken

1980: Manfred Langner (Schulleiter), Ingrid Schneider, Gertrud Schnütgen, Renate Franken

1981: Manfred Langner (Schulleiter), Ingrid Schneider, Gertrud Schnütgen, Brigitte Neuhaus

1982/1983: Ingrid Schneider, Gertrud Schnütgen, Brigitte Neuhaus, [Elisabeth Rickert, Elisabeth Tekath, Jutta Eckel, Marianne Prevorcic (Vertretungen)]

1984: Dr. Reinhard Hübner (Schulleiter), Ingrid Schneider, Gertrud Schnütgen, Brigitte Neuhaus

1985: Dr. Reinhard Hübner (Schulleiter), Ingrid Schneider, Brigitte Neuhaus, Annette Blanke, [Claudia Kruse, Angelika von Bonin (Vertretungen)]

1986 - 1990: Dr. Reinhard Hübner (Schulleiter), Ingrid Schneider, Gertrud Schnütgen, Brigitte Neuhaus + wechselnde Vertretungen wegen Erkrankungen

1991: Reinhard Thiedemann (kommissarischer Schulleiter), Ingrid Schneider, Gertrud Schnütgen, Andrea Henrichs

1992: Reinhard Thiedemann (kommissarischer Schulleiter), Gertrud Schnütgen, Brigitte Neuhaus, Andrea Henrichs

1992/1993: Josef Klöckener (Schulleiter), Gertrud Schnütgen, Brigitte Neuhaus, Andrea Henrichs (Völmicke), Amelie Reinold

1994: Josef Klöckener (Schulleiter), Gertrud Schnütgen, Brigitte Neuhaus, Andrea Völmicke, Amelie Reinold, Walter Johann

1995: Josef Klöckener (Schulleiter), Gertrud Schnütgen, Brigitte Neuhaus, Andrea Völmicke, Amelie Reinold, Walter Johann, Hildegard Lammersdorf

1996: Josef Klöckener (Schulleiter), Gertrud Schnütgen, Brigitte Neuhaus, Amelie Reinold, Walter Johann, Hildegard Lammersdorf, Anna Marx, Isolde Zapp

1997: Josef Klöckener (Schulleiter), Gertrud Schnütgen, Brigitte Neuhaus, Amelie Reinold, Hildegard Lammersdorf, Anna Marx

1998: Josef Klöckener (Schulleiter), Gertrud Schnütgen, Brigitte Neuhaus, Hildegard Lammersdorf, Anna Marx, Simone Röcher

2002: Josef Klöckener (Schulleiter) Gertrud Schnütgen, Brigitte Neuhaus, Hildegard Lammersdorf, Simone Röcher

2005: Josef Klöckener (Schulleiter), Brigitte Neuhaus,  Hildegard Lammersdorf, Simone Röcher, Gaby Holeweg

2006: Josef Klöckener (Schulleiter)  Brigitte Neuhaus, Hildegard Lammersdorf, Simone Röcher, Inge Leyendecker

2007: Josef Klöckener (Schulleiter), Brigitte Neuhaus,  Simone Röcher, Inge Leyendecker

2008: Josef Klöckener (Schulleiter), Brigitte Neuhaus,  Simone Manlik (Röcher), Inge Leyendecker, Susanne Remmert (Abordnung), Ulla Vollmert (Schwangerschaftsvertretung)

2009: Josef Klöckener (Schulleiter), Brigitte Neuhaus,  Inge Leyendecker, Melanie Stolz, Britta Ries, Ulla Vollmert (Krankheitsvertretrung)

2010: Josef Klöckener (Schulleiter), Brigitte Neuhaus,  Inge Leyendecker, Melanie Stolz, Dorothea Weiß, Ulla Vollmert (Krankheitsvertretrung)

2011: Josef Klöckener (Schulleiter), Inge Leyendecker, Melanie Stolz, Dorothea Weiß, Ulla Vollmert (Krankheitsvertretung)

2012: Josef Klöckener (Schulleiter), Inge Leyendecker, Annegret Ohm-Feldmann (Abordnung) Dorothea Weiß, (Krankheitsvertretung), Christina Schuhen

 

Besondere Ereignisse

Die Gründung der Schule
1652

Man schrieb den 22. Oktober Anno Domini 1652. Herr Johannes ab Hardt, gewesener Consul regens Bilsteiniensis saß am Kamin seines Arbeitszimmers. Dicke Buchenknorren prasselten im Feuer. Schatten geisterten an den Wänden entlang, krochen unter die Decke, verschwammen im Dunkel. Herrn Johannes fröstelte. Er zog die Wolfpelzdecke höher hinauf. Das Bohren und Stechen in der Brust wollte nicht aufhören, seit Wochen nicht. Er fühlte seine Kräfte schwinden. Nun ja, es war wohl so weit, man musste sein Haus bestellen. Sein Blick glitt über den mit Papieren bedeckten schweren Eichentisch. Da war sein Vermögen aufgezeichnet, fein säuberlich aufgeschrieben die Äcker, Wiesen, Hochwälder, Holzungen und Heidberge, alles genau nach Maß und Zahl und Anliegern. Da standen die Geldzehnten und die Naturalgefälle aus Feldern, Gärten, Wiesen und Bergen an Roggen, Gerste, Hafer, Buchweizen, Heu, Hanf und Brennholz. Lange Kolonnen waren da aneinandergereiht. Herr Johannes ab Hardt hatte gut gewirtschaftet. Ja, gewiss, das hatte er, aber für wen? Für Kinder brauchte er nicht zu sorgen, er war unverehelicht geblieben. und sein einziger Bruder Caspar war ihm in die Ewigkeit vorangegangen. Herr Johannes seufzte. Ach ja, die Zeiten waren, weiß Gott, nicht leicht gewesen. Schaudernd gedachte er des Schicksals seiner Großmutter Dorothea, der Richterschen zu Bilstein Wie hatte man sie gequält, gepeinigt, gemartert, um ihr das Geständnis zu erpressen, dass sie eine Zauberin, eine Hexe sei! Wollte man sie erpressen? Ach nein, man wollte nicht, man musste ja. Man so vom Hexenwahn umstrickt, dass man glaubte, ein Gott wohlgefälliges Werk zu tun, wenn man eine Hexe dem Feuer überlieferte. Und man konnte nicht einmal anklagen. Das Volk wusste es nicht besser. Gewiss hatten tapfere Männer schon seit langem den Kampf gegen diesen furchtbaren Wahn aufgenommen. Wie hatten sie gegen diese dämonische Verirrung menschlichen Geistes gewettert! Aber, wer konnte ihre Schriften denn lesen? Wer konnte heute noch lesen und schreiben? Wer kannte überhaupt Gottes Gebote noch? Die wenigen Schulen hatte der eben beendete dreißigjährige Krieg hinweggefegt. Die Jugend wuchs in Unwissenheit heran seit Jahren, seit Jahrzehnten. Die Jugend musste doch wieder zu Recht und Gesetz zurückfinden. Musste man da nicht helfen?

Ja, man musste helfen, musste die Jugend aus der Unwissenheit herausreißen. Aus der Jugend musste die Erneuerung des Volkes kommen. Und Herr Johannes ab Hardt konnte helfen, er hatte für niemanden zu sorgen. Und plötzlich nahm alles das, was er seit Tagen durchdacht hatte, Gestalt an: Eine Schule musste her; eine Schule, in der die Kinder von Gott und seinen Geboten, vom Heilande und der Mutter Maria, von der Nächstenliebe und vom Fluche des Bösen hörten! Und lesen und schreiben sollten sie lernen und Lieder zu Gottes und der Heiligen Lob, und beten, vor allem andächtig beten! Und wie schön würde es sein, wenn der Lehrer und die Kinder seiner Schule dann täglich für ihn, seinen Bruder und seine Eltern beten würden! Herr Johannes wurde ganz fröhlich. Er schlug die Pelzdecke zurück, erhob sich, schob neue Buchenkloben in den Kamin, dass die Funken sprühten und die Flammen hell aufloderten. Dann zog er den Tisch näher zum Kamin, entzündete umständlich zwei Wachskerzen, hüllte sich sorgfältig wieder in seinen Pelz, setzte sich nieder und schrieb, schrieb Stunde um Stunde, füllte Bogen um Bogen, vergaß Essen und Trinken, und als das letzte Wachslicht fast niedergebrannt war, setzte er mit fester Hand unter den letzten der Bogen:

22. Oktober 1652
Ich, Johannes ab Hardt, bescheinige, dass dieses mein Testament ist.

Und mit diesem Testament schenkte der einstmalige Consul regens Bilsteiniensis (heute: Bürgermeister), Johannes ab Hardt der Freiheit Bilstein einen Vicarius und eine Vicarie und den drei Dörfern Bilstein, Kirchveischede und Benolpe eine Schule.

 

 

Schulregeln aus dem Jahre 1653

Am 26. November 1652 wurde in Kirchveischede auf Anordnung des Kurfürsten Maximilian an Heinrich die ,,Bruderschaft der christlichen Lehre” eingerichtet. Jesuitenpatres legten die Statuten fest und bestimmten hinsichtlich des Schulunterrichtes folgendes:

 1. Vor allen Dingen sollen den Lehrkindern die Furcht und Gegenwart Gottes und des Hl. Schutzengels, Verehrung der Eltern, Andacht gegen die hl. Jungfrau, Liebe des Nächsten, die vier letzten Dinge des Menschen, Hass der Sünde unablässig eingedrückt werden.

2. Lügen, Zanken, Fluchen, Falschschwören, Schelten, Schlagen, Stehlen und alle anderen sträflichen Sitten sollen nicht übersehen, sondern der Täter ermahnt, hernach verwarnt, dann mit einer Buße, endlich mit Ruten gestraft werden, doch als dass sie sich durch vorgetane Überredung strafwürdig erkennen, die Strafe gern annehmen und dafür danken.

3. Es wäre zu wünschen, da die Schule bei der Kirchen, dass sie täglich zur Messe, in einem oder andrem Punkt vorher unterrichtet, züchtig geführt werden, den Rosenkranz dabei mit Andacht und Verstand beteten.

4. Des Montags und Samstags sollen sie die christliche Lehre vorigen Sonntags wiederholen, den Katechismus lernen und aufsagen, an den anderen Tagen soll ein Punkt aus einem geistlichen Buch vorgelesen werden.

5. Immer und immerzu sollen sie angetrieben werden, Christum, den besten Bruder, Maria, die beste Schwester, vor Augen zu haben und denselben nach Möglichkeit in allem gleichförmig zu werden.

6. Es wäre sehr ratsam, wenn sie monatlich beichteten, vorher wohl unterwiesen und zu wahrer Reue und Besserung angetrieben.

7. Sie sollen dahin gehalten werden, dass keiner, auch die Eltern nicht nach dem Exempel des hl. Bernardini sündigen dürfen.

6. Ehe sie abends heimgelassen werden, sollen sie sagen, was sie selbigen Tages gelernt haben.

9. Morgens sollen sie im Eingange das Morgengebet, des Nachmittags das Abendgebet und Tafelgebet sprechen, vorher aber ,,Komm, heiliger Geist“ etc. singen oder beten.

10. Sie sollen dahin gehalten werden, dass sie mit ihren Eltern, unter sich und mit anderen ehrbarlich und zierlich umgehen, von den Eltern abends und morgens den Segen begehren, ihnen die Hände küssen, guten Morgen und gute Nacht wünschen. Und ob dieser Ursache sollen solche Sitten zweimal in der Woche geübt und geprüft werden.

11. Ehe der Meister in die Schule tritt, soll einer dem andern im Vorlesen, Überhören, im Schreiben und sonsten behilflich sein.

12. Es sollen alle gute Federn, Tinte, Papier oder Schreibbücher haben, selbig und alles rein und wohl bewahren.

13. Wenn sie ein- und ausgehen, sollen sie sich mit Weihwasser besprengen, vorm Altarlein den Englischen Gruß (Engel des Herrn) sprechen.

14. Im Lesen und Schreiben sollen alle Buchstaben beobachtet werden, im Anfange einer Schrift die Eigennamen mit großen Buchstaben schreiben.

15. Im Lesen und Schreiben kann auch ein Streit erweiset werden und der Sieger einer Gabe gewärtig sein.

16. Es stehet unhöflich, wenn die Schüler, Speise, Obst, Grind Krankheiten, weiß und schwarze Kriebelen (Flöhe, Läuse) in die Schule bringen.

Letztlich sollen diese Regeln alle Monat vorgelesen werden.

 

 

 

 

Vikarie mit Schulsaal, erbaut 1801

 

 

 

Die Tabakfabrik ruiniert die Schule
um 1860

Die Tabakfabrik ruiniert die Schule? Ja, auch so etwas hat es einmal gegeben. Es müssen böse Jahre gewesen sein, die fünfziger und sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Die Eisenbahn hatte das Fuhrmannsgewerbe lahmgelegt. Die mechanischen Webereien ließen den Handwebern nur noch einen kümmerlichen Verdienst. Hier und da rauchte zwar noch ein Meiler, aber die Hüttenwerke bedienten sich längst des viel billigeren Koks. Die Not ging in den Dörfern des Kirchspiels um. Etwa 40 Familien mit insgesamt über 160 Personen waren in die neue Welt (Amerika) ausgewandert. In Kirchveischede standen sieben Höfe vor der Subhastation (Versteigerung). Und auch die Bilsteiner waren nicht auf Rosen gebettet, nur hatten sie es bequemer, sie konnten ihre Kinder in der Tabakfabrik unterbringen. Das taten sie denn auch, aber die Kinderarbeit nahm überhand. Die Leistungen der Schule gingen so erheblich zurück, dass der neu ernannte Schulinspektor, Pfarrer Hesse aus Kirchveischede, der Regierung berichten musste: “Meine erste Revision ergab ein erschreckendes Bild. Wie konnte man eine solche Schule dulden?” Pfarrer Hesse sah aber sehr bald ein, dass den Lehrer wenig oder gar keine Schuld traf. Lassen wir den Lehrer Stettner selbst berichten:
“Wenn in den oberen Jahrgängen meiner Schule Mängel gefunden wurden, so liegt das weniger an mir, als an einem Hindernis, das ich nicht beseitigen kann. Die meisten Schüler der oberen Klasse gehen zur Tabakfabrik und zwar den ganzen Tag, mit Ausnahme der vormittägigen Schulstunden. Morgens um 6 Uhr gehen sie bis zur hl. Messe zur Fabrik. Nach Schulschluss um 10 Uhr arbeiten sie wieder bis 12 Uhr. Ab 1 Uhr gehen sie dann wieder bis abends um 8 Uhr zur Fabrik. Einzelne Kinder werden aus der Messe und aus dem Unterricht zurückgehalten und müssen erst durch den Polizeidiener geholt werden. Ich kann die Kinder nicht dazu bringen, dass sie sich morgens vor der hl. Messe zu einem geordneten Zuge in die Kirche versammeln. An Schularbeiten ist gar nicht zu denken. Es fehlt an Zeit, Lust und Kraft.”

Pfarrer Hesse fügt hinzu:
“Ich selber habe die Erfahrung gemacht, dass mit den Fabrikkindern nichts auszurichten ist. Weder durch liebevolle Behandlung, noch durch Gewissensgründe, noch durch energischen Tadel konnte ich sie dazu bringen, den Katechismus und die Bibel zu lernen, selbst dann nicht, als es sich um die Vorbereitung auf die hl. Kommunion und die hl. Firmung handelte. Es lässt sich nicht leugnen, dass sich durch dieses Hindernis viele Mängel in der Schule erklären lassen. Ja, ich erkläre: die Fabriktätigkeit in diesem Umfange macht jede Schulbildung in dem so wichtigen Orte Bilstein unmöglich. Sie wirkt äußerst verderblich auf die Jugend. Der Lehrer müsste viel mehr die Hilfe der Polizei in Anspruch nehmen, aber dazu fehlt ihm der Mut.”
Nun, der Mut dazu fehlte nicht nur dem Lehrer, der fehlte auch noch einflussreicheren Leuten. Herr Pfarrer Hesse bekam bald zu spüren, dass es in Bilstein eine, wie er sie selbst nannte, “dominierende Partei” gab. Und diese dominierende Partei “empörte” sich, als der Herr Pfarrer Ordnung schaffen wollte. Bürgermeister Hartmann gab ihm den guten Rat, die Dinge vorläufig laufen zu lassen, weil die armen Leute sonst “wütend” wurden. Aber Pfarrer Hesse dachte gar nicht daran, zu kapitulieren. Er verhandelte zunächst mit dem Kaufmann Wilhelm Brill. Der gab ihm vollständig recht und erklärte, dieser Missstand sei ihm schon längst ein Dorn im Auge, aber seine Vettern behaupteten, ohne Kinderarbeit könne die Fabrik nicht bestehen. Er selbst sei der Ansicht, dass diese Sorge unbegründet sei und wolle erneut auf Abhilfe dringen. Als aber alles beim alten blieb, wandte sich Pfarrer Hesse an den Landrat und die Regierung. Da besann sich auch Bürgermeister Hartmann auf seine Pflicht und verhängte die schon seit langer Zeit fälligen Versäumnisstrafen. Das half; denn der Kirchveischeder Schulkrieg war den Bilsteiner Eingesessenen (Bewohnern) noch in lebhafter Erinnerung.
Da zudem die Regierung die Arbeit der Kinder unter 12 Jahren verbot, die der älteren Schulkinder auf 6 Stunden täglich beschränkte, beruhigte sich der Sturm bald. Die Tabakfabrik kam ohne die Kinder aus, die Kinder kamen wieder ins rechte Geleise, und die Leistungen der Schule stiegen wieder auf das normale Maß.

 

 

Schulneubau

Im Jahre 1830 zählte die Schule 141 Schulkinder.. Im Jahre 1834 war die Kinderzahl auf 171 gestiegen, 85 aus Bilstein und 96 von Kirchveischede und den Einhöfen. Das Bilsteiner Schullokal konnte die Kinder nicht mehr aufnehmen, an einen vernünftigen Unterricht war nicht mehr zu denken. Da verfügte die Regierung trotz des Einspruchs einer Anzahl Kirchveischeder Eingesessener (Einwohner) die Aufteilung des seit 1652 bestehenden Schulbezirks in den Schulbezirk Bilstein und den Schulbezirk Kirchveischede. mit den Einhöfen Kracht, Hengstebeck, Bruchhausen, Schmellenberg, Apollmicke und Eremitage. Seit 1834 besuchten nur noch Bilsteiner Kinder die Pfarrschule. Wegen Überfüllung der Schule (101 Kinder) gestattete die Regierung im Jahre 1874 Halbtagsunterricht. Gelegentlich (Bei) seiner Durchreise durch Bilstein im Jahre 1880 bemängelte der Regierungspräsident das niedrige, feuchte, schlecht gedielte (schlechter Fußboden) und für 113 Kinder viel zu kleine Schullokal. Die Regierung drängte auf Neubau einer zweiklassigen Schule und Errichtung einer zweiten Stelle. Der Amtmann aber war der Ansicht, dass der tüchtige Lehrer Blaufuß mit Leichtigkeit 102 Kinder - denn soviel seien es nur - unterrichten könne. Als die Regierung aber auf Errichtung der zweiten Stelle und wenigstens auf Anmietung eines zweiten Schullokals bestand, bat der Amtmann Liebau ein zweites Mal um Aufschub, und zwar mit der Begründung, es sei mit der Auswanderung einiger Familien nach Amerika zu rechnen, dann würde die Kinderzahl sinken. Ein Mietlokal sei im übrigen nicht zu beschaffen. Da die Kinderzahl aber immer weiter stieg, blieb den Bilsteinern ein Neubau nicht erspart. Nach vierjährigem ”Tauziehen“ zwischen Schulgemeinde- vertretung, Kirchengemeindevertretung, Regierung und Generalvikariat wurde am 21. November 1886 folgender Tausch genehmigt: Die Kirchengemeinde tritt das bisherige Vikariegebäude nebst Hofraum und Garten an die Schulgemeinde ab. Sie erhält dafür das sogenannte Apothekerhaus mit Hofraum und Garten.

Nun wurde im Garten westlich der Vikarie, an der Straße ein neues Gebäude errichtet und im Oktober 1888 bezogen. Der Schulsaal war 4x7x10 m groß.

Im Jahre 1902 wurde ein Anbau notwendig; denn die Zahl war mittlerweile auf 123 gestiegen.

 

 

 

Mädchenmittelschule

Im Jahre 1912 wurde die Schule dreiklassig. Die Gemeinde wünschte eine Trennung nach Geschlechtern, die Regierung setzte vernünftigerweise die Trennung nach Klassen durch. Im gleichen Jahr gliederte man der Volksschule eine dreiklassige Mädchenmittelschule an. Im Lehrplan standen Französisch, Deutsch und Geschichte. Im Jahre 1920 aber ging die Mädchenmittelschule wegen zu geringer Kinderzahl wieder ein.

 

 

300-Jahr-Feier

Das nächste bedeutsame Ereignis für die Schule war die 300-Jahr-Feier am 17. März 1953. Anlässlich dieser Festveranstaltung hatte der Lehrer Klemens Stracke aus Benolpe eine Chronik der Schule verfasst. Um diese Feier und die Festschrift geht es in folgenden Dokumenten des Schulrats Bartmeier, des Gemeinderates und des Lehrers Stracke:

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister!

Ich nehme Bezug auf die persönliche Unterredung am 13. d. M. Die Gründe für die Jubiläumsfeier im Rahmen einer Kreiskonferenz habe ich Ihnen ja dargelegt. Die Veranstaltung findet am 17.3.d.J. dort statt. Ich gestatte mir, Sie zu dieser Feier samt die Herren Gemeindevertreter einzuladen.

Darf ich nun nochmals bitten zu überlegen, ob die Gemeinde nicht einen Berag von DM 50,-- für die Bewirtung der auswärtigen Gäste (Regierung usw.) bewilligen kann. Besonders liegt mir aber daran, für die Kinder der Schule Bilstein wenigstens eine Geschenktüte im Wert von DM 0,50 bis DM 0,70 ausgeben zu können.

Ich hoffe, dass die Gemeinde für ihre Kinder den nötigen Betrag von rd. 0,75 DM bewilligen wird. Ich schlage vor, den Schülern der Oberklasse eine gute Kladde zu bewilligen.

Ich würde mich freuen, wenn durch die kleine Beihilfe der Gemeinde die Feier auch für die Kinder äußerlich etwas eindrucksvoll gestaltet würde.

         Mit vorzüglicher Hochachtung!                                                   Bartmeier

 

 

 

Brief des Lehrers Stracke an die Gemeindevertreter
      
An die Gemeinde Kirchveischede.                                    Benolpe, den 10. Januar 1953

Z.H. des Herrn Gemeindebürgermeisters Freitag.

B i l s t e i n.

Am 17. März dieses Jahres sind 300 Jahre verflossen, seitdem Kurfürst Maximilian Heinrich die Ab Hardt`sche Schenkung bestätigte und damit rechtswirksam machte. Vermutlich datiert auch von diesem Tage an die Errichtung der durch das Testament vorgesehenen Bilsteiner Schule. Da das gesamte Kirchspiel an der Schule teilhaben sollte, darf man wohl sagen, daß das alte Kirchspiel Kirchveischede in diesen Tagen das 300jährige Bestehen seiner Pfarrschule feiern kann.

Weil ich nun bei meinen archivalischen Forschungen hier und da immer wieder auf alte Schulakten stieß, habe ich mir die Mühe gemacht, einmal alles das zusammenzutragen, was für die Geschichte unserer drei Kirchspielsschulen von Bedeutung ist. Was ich fand, war so reichhaltig und so interessant, dass es sich wohl lohnt, es zu einer „Geschichte der Schulen des Kirchspiels Kirchveischede“ zusammenzufassen und anlässlich des 300jährigen Gedenkens der Bilsteiner Schulgründung zu veröffentlichen.

Bei einer Auflage von 300 Stück würde das etwa 50 – 60 Seiten starke Heftchen ohne Bildbeigabe grob gerechnet etwa 400 DM an Druckkosten + Einband erfordern. Es kann weniger, kann aber auch etwas mehr sein. Ein genaues Angebot kann erst eingeholt werden, wenn die Arbeit vollkommen fertig ist.

Da ich selbst die Finanzierung nicht übernehmen kann, geht meine Bitte dahin:

Die Gemeinde Kirchveischede möge:

      • entweder die Druckkosten übernehmen, jeder Schulfamilie der drei Schulen ein Exemplar schenken und den Rest zu einem annehmbaren Preise verkaufen,
      • oder das Heftchen in den Selbstverlag der Gemeinde übernehmen und zum Selbstkostenpreis abgeben.

Mir würde es genügen, den Freunden unserer alten Kirchspielsgeschichte eine Freude gemacht zu haben.                               
                                                                               Klemens Stracke
                                                                                             Lehrer.

 

 

Der Beschluss des Gemeinderats (Protokollauszug):

3. Verschiedenes

a) Aus Anlaß der bevorstehenden 300-Jahrfeier der Schule in Bilstein ist von dem Lehrer Stracke in Benolpe eine Schrift über die Entwicklung des Schulwesens in der Gemeinde Kirchveischede verfasst worden, die sehr wertvoll ist. Der Gemeinderat beschließt, die Druckkosten für 300 Exemplare, die einen Aufwand von etwa 400 bis 450 DM verursachen, zu übernehmen. Die Schrift soll alsdann zum Verkauf gelangen und die Einnahmen hieraus zur teilweisen Deckung der Druckkosten Verwendung finden.

  • Im weiteren empfiehlt der Gemeinderat, die 300-Jahrfeier nach Möglichkeit solange zurückzustellen, bis in Bilstein der Schulneubau durchgeführt ist.

 

 

Die Schulgemeinde anlässlich der 300-Jahr-Feier mit der Lehrerin Sophie Müller und den Lehrern Fritz Ising (Schulleiter) und Meinolf Thöne

 

 

 

Schulneubau am heutigen Standort

Wie im Protokoll des Gemeinderates schon angedeutet, wurde 1956 mit dem Bau einer neuen Schule am jetzigen Standort begonnen. In der Grundsteinurkunde heißt es im Wortlaut:

Urkunde

Im Jahre des Herrn 1956 als Prof. Theodor Heuß Präsident der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Konrad Adenauer Bundeskanzler, Fritz Steinhoff Ministerpräsident des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, Josef Metten, Listerscheid, Landrat des Kreises Olpe, August Zimmermann, Olpe, Oberkreisdirektor, Karl Freitag, Kirchveischede, Amtsbürgermeister und Bürgermeister der Gemeinde Kirchveischede, Rudolf Rettig, Grevenbrück, Amtsdirektor des Amtes Bilstein mit seinem Sitz in Grevenbrück, Pfarrer Niehörster, kath. Seelsorger von Bilstein, Schul- und Kirchort von 1030 Einwohnern, waren, in einer Epoche, da wir deutschen Menschen dieser Jahrhundertmitte nach wie vor unter dem nachhaltigen Eindruck jener tiefgreifenden und erschütternden Ereignisse stehen, die das Feuerzeichen des schrecklichsten Krieges aller Zeiten – 1939 bis 1945 – und das aus frevelhaftem weltanschaulichen Irrtum aufsteigende Rauchzeichen des Untergangs tief in unser Bewusstsein eingemeißelt haben, wurde dieser Grundstein gelegt.

Aus einem Trümmerfelde sondergleichen, aus einem totalen Scherbenhaufen der inneren und äußeren Verhältnisse der deutschen Nation, in einer Zeit, da sich die totale Niederlage unseres deutschen Volkes dadurch noch weiterhin kundtut, dass unser Vaterland in 4 Besatzungszonen aufgeteilt ist, in denen Amerikaner, Engländer, Franzosen und Russen stationiert sind, in einem Augenblick, da der Blick in die Zukunft noch verdunkelt ist, unter solchen Verhältnissen konnte dank der mutigen Einsicht des Rates der Gemeinde Kirchveischede unter Vorsitz seines verdienstvollen Bürgermeisters Freitag die Finanzierung des für Bilstein dringend notwendig gewordenen Schulhauses sichergestellt und der Bau begonnen werden.

Die jetzige Schule mit ihren 3 unzulänglichen Klassenräumen, die zudem noch in 2 von einander getrennten Gebäuden untergebracht sind, ist für die ordentliche Unterrichtung von 108 Kindern infolge ihrer Lage hart an der Bundesstraße 55, auf der sich ein äußerst starker motorisierter Verkehr lärmend und dröhnend vollzieht, abgängig geworden.

Der Entwurf zu diesem Schulhaus ist vom Staatshochbauamt in Siegen gefertigt worden. Das Grundstück hat die Gemeinde im Tauschwege vom Lande Nordrhein-Westfalen, Forstfiskus, erworben.

Die Ausschachtungsarbeiten wurden von der Fa. Johannes Neu, Tiefbaugeschäft in Eichen, die Maurer- und Putzarbeiten von der Fa. Hubert Helleckes, Hoch- und Tiefbaugeschäft in Welschen-Ennest, die Zimmerarbeiten von der Fa. Albert Hanses in Fleckenberg, die Dachdeckerarbeiten von der Fa. Albert Sommer in Grevenbrück ausgeführt.

Dieses Schulhaus ist dem besonderen Schutze der Kirchenpatronin von Bilstein, St. Agatha, empfohlen.

Beurkundet: Bilstein, den 14. Juni 1956

Der Bürgermeister                                                  Der Amtsdirektor
Karl Freitag                                                             Rudolf Rettig

Der Rat der Gemeinde Kirchveischede bestand aus folgenden Mitgliedern:

Freitag  Karl  Bürgermeister Kirchveischede
Nüschen  Reinhold Schreinermeister Bilstein
Schnüttgen August Land- und Gastwirt Kirchveischede
Assmann  Paul  Sortierer   Bilstein
Kebben Josef  Schreinermeister  Kirchveischede
Picker   Johann Geflügelfarmbesitzer Benolpe

Als Lehrkräfte waren an der Schule tätig:
Ising, Fritz, Hauptlerer, Dzierzon, Johannes, Lehrer, 
Schneider, Irmgard apl. Lehrerin

Bericht in der “Heimatpost für den Kreis Olpe”

 

 

 

 

 

Besondere Ereignisse im Schulleben seit 1992

05. Mai 1992 Gründung des Fördervereins der Grundschule Bilstein; erster Vorsitzender: Günter Hesse

28. Mai 1994 Schulfest: “Kinder führen vor”

Januar 1995: Beginn der Bauarbeiten für einen Anbau (2 Klassenräume, Lehrerzimmer)

02. November 1995: Offizielle Einweihung des Anbaus

29. November 1995: Wahl von Dietmar Epe zum Fördervereinsvorsitzenden

30. November 1995: Bewilligung von Landesmitteln für den Bau einer Turnhalle

Juli 1996: Baubeginn des Turnhallenbaus

01.August 1996: Einrichtung der Betreuung bis 13.00 Uhr in Trägerschaft des Fördervereins

08. November 1997: Einweihung der Turnhalle (Kosten: 1,56 Mio DM)

16. Mai 1998: Schulfest; Motto und Thema: “Gespenster”

Schuljahr 1998/1999: Erste Unterrichtscomputer im Einatz

16. bis 20. September 1999: Erste Projektwoche zum Thema “Unser Wald”

11. bis 15. September 2000 Projektwoche zum Thema “Ritter, Leben im Mittelalter”

Mai 2001: Umbau und Neugestaltung des Schulhofs mit Mitteln der Stadt und des Fördervereins (Eigenleistung) in Höhe von 70 000 DM

29. September 2001: Einweihung des Schulhofs in Verbindung mit einem Schulfest

28. November 2002: Wahl von Thomas Berg zum Fördervereinsvorsitzenden

18. Juni 2003: Schuljubiläum; 350 Jahre Schule in Bilstein mit Festakt in der Turnhalle und Einweihung der Hangrutsche durch Bürgermeister Heimes

 

Günter Sagafe trägt als Johannes von der Hardt dessen Testament (Schulgründung) vor.

 

 

22. Oktober 2003: Erster Preis bei den Waldjugendspielen im Kreis Olpe (Tag im Wildwald Voßwinkel)

 

März 2004: Projektwoche “Feuer und Feuerwehr”

 

 

 

Schuljahr 2004/2005: Umstellung der Schreibschrift von der Vereinfachten Ausgangsschrift (VA) zur Schulausgangsschrift (SAS)

 

 

15. bis 19. November 2004: Projektwoche zum Thema “Suchtprävention, Gesunde Ernährung, Gesundheitserziehung”

 

 

 

 

09. April 2005: Erstes Volleyballturnier der Grundschulen im Kreis Olpe; Austragungsort und Organisation: Grundschule Bilstein

 

 

 

14. bis 18. November 2005: Projektwoche Basteln, Werken, Weben, Experimentieren

10. Dezember 2005: Wahl von Rainer Vetter zum Vorsitzenden des Fördervereins

12. Mai 2006: Erste Schulwanderung mit Eltern, Lehrern und Kindern zur “Oktoberwiese”

 

12. Mai 2007: Schulfest “Eine getanzte Seeräuberreise um die Welt”
(Einüben, Kostümherstellung, Kulissenbau mit viel Elternengagement in der vorangehenden Projektwoche)

 

 

04. bis 07 März 2008: Projektwoche zum Thema “Leben in der dritten Welt”, verbunden mit einem Präsentationstag und der Teilnahme am Wettbewerb des Bundespräsidenten

Frühjahr 2009: Erneuerung der Spielzone hinter der Schule durch den Förderverein in Eigenleistung

17. November 2009: Aktionstag Trommelzauber mit der gesamten Schulgemeinde

Frühjahr 2010: Erste Überlegungen zur Veränderung der Grundschullandschaft in Lennestadt aufgrund zurückgehender Schülerzahlen und fehlender Leitungen in den Grundschulen

31. Mai 2010: Schulkonferenz mit der Grundschule Grevenbrück zur Bildung einer Verbundschule (kein Beschluss)

01. Juni 2010: Sieger des Volleyballturniers der Grundschulen im Kreis Olpe

11. Juni 2010: Sieger der Endrunde im Volleyball aller Grundschulen Südwestfalens in Siegen

11. Juni 2011: Schulfest als Abschluss der Projektwoche “Kinder spielen Theater”

 

 

 

Die Angaben und Dokumente bis 1950 wurden der Chronik “Dreihundert Jahre Volksschule Bilstein”
von Klemens Stracke entnommen. Hinzufügungen sind kursiv geschrieben.

Die Angaben von 1950 bis 1970 beruhen auf einer Zusammenstellung von Monika Drüeke, Krähenberg 6 in Bilstein

Quelle bis 1992: Protokollbuch, amtliche Schreiben

Quelle ab 1992: Chronikbuch des amtierenden Schulleiters

Wird forgesetzt